Kurze Biographie:
Geboren wurde ich am 5. Mai 1963 in Neuburg an der Donau. Mein Großvater bestand immer darauf, dass die exakte Uhrzeit meiner Geburt 5 Uhr und 55 Minuten war. 5.5. um 5.55 Uhr. Ein Schnapszahlenkind und ein Europakind, was ihm - als Kriegsgebeutelten - auch immer sehr wichtig war, denn der 5. Mai ist Europatag. Ein in Schnaps getauftes Kind des Friedens also.
In Neuburg - einer Kleinstadt am nördlichen Rand Oberbayerns habe ich
aber nur die Anfänge meiner Windelphase verbracht, dann ging es in die
Heimatgemeinde meines Vaters.
Mein Vater war als Zeitsoldat in Neuburg stationiert
gewesen und hatte dort auch meine Mutter kennen gelernt, die als Zivilistin
in der dort ansässigen
Luftwaffeneinheit arbeitete.
Herrsching am Ammersee ist ein beschauliches Dorf im Einzugsgebiet Münchens. Hier fährt der stolze Großstädter hin, um am See zu flanieren, die Parkplätze zu überfüllen, Dampfer zu fahren oder um sein Wochenendhaus seinen Freunden vorzuführen. Von hier aus kann man wunderbar zu Fuß zum 10 Kilometer entfernten Kloster Andechs "wallfahren" und vor Allem am Abend wieder zurücktorkeln, denn die Mönche brauen ein sagenhaft süffiges Bier.
Mein Vater war leidenschaftlicher Tennisspieler. Die Herrschinger Tennisanlage ist wunderschön direkt am See gelegen, garniert vom Kurparkschlösschen. Hier wohnte - als ich klein war - eine alte Frau. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich oft wenn mir am Tennisplatz langweilig war unter ihrem Fenster stand und Lärm machte, bis sie das Fenster öffnete und mir Süßigkeiten oder Geld hinunter warf. Die weiteren Frauen in meinem Leben sollten jünger werden.
Ab meinem 5. Lebensjahr spielte ich beim TSV Fußball. Wir haben es
damals recht weit gebracht. Ich spielte zunächst auf der "Breitner"-Position,
also offensiver linker Verteidiger. Flankengott und Linienflitzer. Aber dem
Trainer fiel bald auf, dass meine Abräumerqualitäten noch erstaunlicher
waren, als meine in Wirklichkeit nicht immer filigrane Ballbehandlung. Ab
diesem Moment spielte ich Vorstopper (heute würde man das Innenverteidiger
nennen). Meine Gegenspieler haben es in all den Jahren auf insgesamt 3 Tore
gebracht.
Dennoch habe ich mit 12 dem Vereinsfußball den Rücken
gekehrt.
In Herrsching wurde - als ich so 6-7 Jahre alt war - die Straßenkanalisation
gebaut. Ich erwähne das deshalb, weil das türkische Gastarbeiter
ausgeführt haben. Und ich habe es geliebt, Ihnen bei der Arbeit zuzuschauen
und sie im Bauwagen zu besuchen, der so schön nach Öl, Schweiß,
warmem Bier und Knoblauch roch. Die Gastarbeiter waren extrem freundlich
und so wurde ich regelmäßig von deren Familien am Wochenende eingeladen.
Ich bekam türkischen Kitsch geschenkt und türkische Süßigkeiten.
Ein
Stück meiner Weltoffenheit und meines unverkrampften Verhältnisses
zu Kitsch habe ich aus dieser Zeit.
(
Sonstige kindliche Highlights: im Oktoberwind am Seeufer stehen, sich gegen
die Böen stemmen und "fliegen". Meine wahnsinnig knackige
Lehrerin in der 3. und 4. Klasse mit ihren unglaublichen Brüsten, von
denen ich nächtlich
träumte. Sie wog alles an Grundschulhorror auf, was ich in den ersten
zwei Jahren durch einen prügelnden Alt-Nazi-Lehrer erlebt hatte. Mit
meinem Kumpel Toni die Kippen von der Straße auflesen und an Mitschüler
verkaufen (!). Tarzan spielen im Kiental (inklusive Lianen). Jane (meine
Jane hatte lange blonde Zöpfe, konnte unglaublich gut mit Pfeil und Bogen
umgehen und weiter spuken als alle Jungs aus unserer Klasse). Farbiges
Fernsehen, von der Olympiade in München
direkt ins Wohnzimmer, zB von so merkwürdigen
Sportarten wie Dressurreiten, wo sich damals der knöchern verschrobene
Versandhauschef Neckermann Ruhm verschaffte)
Mit 10 ging ich ans Tutzinger Gymnasium. Später als wir nach Steinebach umgezogen waren, wurde das ein richtig aufwendiger Schulweg. Zuerst eine Viertelstunde durch den stockdunklen Wald zur S-Bahnstation marschieren, drei Stationen mit der damals brandneuen S-Bahn fahren, dann in den Schulbus umsteigen und eine halbe Stunde den wunderschönen oberbayerischen Weg von Herrsching nach Tutzing fahren. Einmal allerdings war die Busfahrt zurück nach Herrsching nachhaltig furchtbar. Der Bus kam in einer spiegelglatten Kurve von der Straße ab und prallte mit voller Wucht gegen einen Baum. Ich mag hier nicht beschreiben, welch gräßliche Momente ich damals erlebt habe.
Die Schule wurde für mich erst schön, nachdem ich mit 16 aus einem
dreiwöchigen Englandaufenthalt zurückgekehrt war. Hier hatte ich
durch die plötzliche Freiheit zu mir selbst gefunden und von da an veränderte
sich mein Leben schlagartig. Das neu gewonnene Selbstvertrauen verschaffte
mir ein Lebensgefühl, das bis in die Schule hineinreichte. Dazu kam,
dass damals die unihafte Kollegstufe eingeführt wurde, mit all den damit
verbundenen Freiheiten, die ich in vollen Zügen ausnutzte.
Zum Unterricht
erschien ich nur noch, wenn ich einen konkreten Nutzen darin sah. Meistens
lernte ich zu Hause mit den Schulbüchern besser und effektiver.
Überhaupt war mir eines der Grundprinzipien des Schulsystems zuwider.
Um benoten zu können, musste die Welt vereinfacht erklärt werden.
Die Dinge waren so, und so nicht. Es gab keine Widersprüche. Denn wie
soll man Widersprüchliches in ein benotbares "richtig" und "falsch" einordnen?
Aber die Welt besteht doch hauptsächlich aus Widersprüchen!
Meinen
Physik-Leistungskurs besuchte ich so selten, dass der humorvolle alte Lehrer
die Klasse jedes Mal bei meiner Anwesenheit extra zur feierlichen Begrüßung
aufstehen ließ.
Ich war von Passivität zu Aktivität gewechselt. Das Leben wurde
schön.
(Highlights in dieser Zeit:
Das "Rolo-Mobil". Mit 16 haben wir zu viert einen alten Ford für
50 Mark gekauft und sind damit durch den Wald gebrettert. Der lange Lulatsch
Roland, genannt Rolo, der sich nie wusch, mußte immer an die Tankstelle,
weil er von uns Allen am Ältesten aussah. Die Durchfallerin von der Luswiese
(genannt Lustwiese), die es nie versäumte, extra für mich ihr Dekolté zu
arrangieren. Christiane mit ihren Augen, die wie Scheinwerfer durch meinen Horizont
glitten. Die Faszination von Fahndungsplakaten (Baader/Meinhoff usw.), mit
denen damals die ganze Republik gepflastert war )
Mein Abitur überstand ich ohne Pannen. Auf der Abiturfeier, gestand ich meiner großen Liebe aus der 5./6. Klasse meine früheren Gefühle und dann war die Schulzeit auch schon für immer abgehakt. Ich habe praktisch keinen Kontakt mehr zu ehemaligen Mitschülern.
Mein Großvater väterlicherseits war ein fantastischer Geschichtenerzähler.
Ich saß stundenlang mit offenem Mund vor ihm, wenn er aus einem Guß Highlights
seiner Lebensgeschichte zum Besten gab. Ein großer Humorist, der es
verstand, den schwierigsten Situationen noch etwas Lachhaftes abzugewinnen.
La vita è bella!. Durch ihn habe ich das Interesse für meinen
Beruf gefunden.Danke!
Und wenn ich schon dabei bin: Meinen beiden
Großmüttern bin ich
für ihre unendliche Güte, Wärme und Großherzigkeit dankbar.
Eine davon lebt noch und ich würde ihr so gerne mehr davon zurückgeben.
Nach der Schule war erst einmal reisen angesagt.
Ich sparte mir Geld zusammen,
indem ich vier Monate als Schlafwagenschaffner durch Europa fuhr. Ich habe
oft tagelang nicht geschlafen. Zu viele spannende weibliche Fahrgäste
haben mich davon abgehalten. Und anstatt am Zielort ne Runde zu pennen, hab
ich lieber mit ihnen am Pont del Vecchio gesessen, Wein getrunken, geknutscht.
Was man halt so macht.
Dann gings für drei Monate nach Amerika ...
Fortsetzung folgt